
Auch wenn wir keinen Fernseher haben, der uns stets die neusten Bilder aus dem Irak oder den staubigen Weiten Afghanistans liefert, so sehen wir jeden Tag, dass sich dieses Land im Krieg befindet. Allerdings sind es weniger Uniformierte, Militaerfahrzeuge oder Lebensmittelkarten, die einen daran erinnern, sondern die vielen, stets praesenten Antikriegsaufkleber-und schilder (Support our troops, end this war; PEACE NOW; war is not an answer etc) vor Haeusern, an Autos, Laternen und Jackenrevers. Dies scheint aber wohl eher eine Ithaca-typische (Mehrheits?-)Haltung zu sein und ist nicht unbedingt repraesentativ fuer die ganzen Staaten. Auch wenn man mit Leuten hier spricht, dann ist klar, dass dieser (Irak-)Krieg unmoralisch, leichtfertig, falsch, schlecht durchgefuehrt und/oder viel zu teuer war/ist. Die Popularitaet fuer Barack Obama begruendet sich uebrigens zum Teil auch auf seine klarere Haltung zum Krieg.
Dazu kann man jeden Tag in der New York Times lesen, wieviele amerikanische Soldaten (3966) bisher im Irak gestorben sind ebenso wie die Namen der Gefallenen vom Vortag.
Die USToday hat sich ein weniger naeher mit den Zahlen beschaeftigt und ist auf folgendes Ergebnis gekommen:

Sie haben mal ausgewertet, welche Grosstaedte denn bisher von gefallenen Einwohnern verschont geblieben sind. Dabei kam dann raus, dass Oakland (in Kalifornien) mit seinen fast 400000 Einwohnern diese "Hit"-liste anfuehrt. Dabei hatte Oakland waehrend des Vietnamkriegs fast 120 junge Maenner verloren! Zwar waren mit 58000 toten GIs die Verluste ungefaehr 15 mal hoeher, aber mit ein paar Leuten koennte man jetzt ja wohl rechnen! Der Artikel gibt aber auch eine Antwort, warum es diesmal anders ist. Den Autoren nach handelt es sich dabei nicht um einen statistischen Effekt sondern liegt darin begruendet, dass in wirtschaftlichen starken letzten Jahren immer weniger junge Leute aus den urbanen, properierenden Zentren zur Armee gegangen sind, da die Arbeits- und (Ueber)-Lebens bedingungen im zivilen Berufen deutlich besser sind. Die Mehrzahl der Soldaten rekrutiert sich halt immer noch aus den Schichten, die in den laendlichen Gebieten mit wenig Chancen auf Jobs, Bildung und Krankenversicherung leben.
Die Frage, ob es sich um Statistik oder um die Wirkung der neuen Polizeistuktur handelt, hat auch die New Times heute beschaeftigt. In Newark (liegt auf der anderen Seite des Hudson) ist tatsaechlich gerade die laengste Zeit ohne Mord (43 Wochen) seit vierzig Jahren eingestellt worden. Bisher wurden in diesem Jahr erst 3 Morde begangen, was somit eine Viertelung zum Vorjahreszeitraum darstellt. Man ist voller Hoffnung, dass der letztjaehrige Gesamtjahreswert von 112 Ermordeten nicht wieder ereicht wird. Insgesamt leben 300000 Menschen in Newark.
Dieses Land ist in einigen Teilen auch im Krieg mit sich selbst.
PS: Keiner der Toten im Irak (Kewin Mowl, Orlando Perez, Michael Phillips) oder in Newark (Andre Thomas) ist aelter als 23 geworden. Mit seinen 19 Jahren haette Michael Phillips nirgendswo (legal) ein Bier gekriegt.
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