Dienstag, 27. Mai 2008

Tea and more.


Wenn man mit sovielen neuen Eindruecken in der Fremde klarkommen muss, dann hilft es, das Neue auf das Bekannte zu projizieren. Wenn man dann New York mit Hamburg in Verbindung bringt, dann ist Boston Hannover und Ithaca Hage. Aber da die erste Annahme so recht verwegen ist, hinkt natuerlich alles weitere auch. (Ausserdem sind Boston und Ithaca schoen!)
Warum eigentlich Boston? Wir waren in Boston! Nach zwei Wochenenden im beschaulichen Ithaca war uns doch mal wieder nach einer Grossstadt und wir wurden nicht enttaeuscht. Boston ist wirklich super! Obwohl die Stadt am Memorial-weekend (einen Mischung aus Volkstrauer-und Heldengedenktag) schon recht voll war, konnte man es dort sehr gut aushalten und man war auch nicht so erschlagen wie von Hamburg, aeeh New York.
Am Samstag haben wir nach der laecherlichen Autofahrt von nur sieben Stunden den freedom-trail beschritten, d.h. wir sind der roten Linie in der Pflasterung gefolgt, die uns quer durch Bostons Innenstadt an allen wichtigen Stationen des heldenhaften amerikansichen Freiheitskampfes vorbeigefuehrt hat. Nach dieser Wanderung von sechs Stunden hatten wir platte Fuesse und viel gesehen. Tatsaechlich erscheint einem Boston recht europaeisch, was wohl besonders an der U-Bahn, der Fussgaegerzone, den "alten" Haeuser, den Fahrradfahrern und den Aschenbechern auf den Draussentischen liegt. Auch erschien uns alles recht echt, dh. im Italienerviertel wohnen richtige Italiener, die allerings auch keinen Caffee mehr machen koennen, und die jungen Viertel waren wirklich jung und nicht Yuppie-haft. Neben dem Eingang zur Harward-Uni hat sich uebrigens eine recht grosse Punkkolonie niedergelassen. Sehr lustig.
Eine sehr nettes Erlebnis hatten wir noch in der U-Bahn, als wir, oder eher Silvia, von einem Bostoner gefragt wurde, woher sie denn kaeme. (Der Reisefuehrer hatte sie verraten.) Dabei stellte sich dan heraus, dass der junge Mann auch schon dreimal in Hamburg war! Nachdem sie ihn dann noch kurz mit der Info "Wir sind nur uebers Wochenende hier!" verwirrt hatte, bestand er darauf, dass wir heute abend im Redbones BQQ essen sollten, schliesslich sei dieses Wochenende das traditionelle amerikanische Grill-Wochenende. (Welches ist es aber nicht?) Und da man in einer fremden Stadt fuer jeden Tipp dankbar und die richtige Restaurantwahl eine komplizierte Sache ist, sind wir der Empfehlung auch gleich nachgekommen. Dass es sich gelohnt hat, kann man an den Fotos in der Dia-show ja wohl sehen. Sehr nette Leute, die Bostoner (wie die Hannoveraner und Hager).

PS: Allerdings sollte man bei der Hotelwahl darauf achten, dass man nicht unter dem gleichen Dach naechtigt wie zahlreiche jugendliche Lacrosse-Mannschaften. Anfangs ist man ja noch voller Verstaendniss fuer die Hormon- und Alkohol-gesteuerten, aber wenn dann um 3:30 am immer noch keine Ruhe herrscht, dann ist man schon froh, wenn ein starker Mann (Hotel-Security) fuer die selbige sorgt. (Auch wenn er auch kurz laut war. "Open the f***ing door".) Dann war Schluss.

Montag, 5. Mai 2008

Mit rad up pad.



Ja, wir haben es auch gemacht! Die legendaere 5-Boro (also Stadtteile) bike tour und die war einfach super! Zusammen mit vierzigtausend anderen Fahrradfahrern sind wird durch Manhattan, die Bronx, Queens, Brooklyn und schliesslich Staten Island gefahren. Man koennte auch sagen, dass wir durch die ganze Welt gefahren sind, obwohl wir die Stadt zu keinem Zeitpunkt verlassen haben. Das Coole war, dass man die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive gesehen hat und in Ecken war, in die man sonst nie gekommen waere. Die Atmosphaere war wirklich super, den alle Leute waren total entspannt und nett. Ausserdem war es ja auch kein Rennen sondern eine Tour, wie einem sicherlich zehntausend Mal gesagt wurde. Zuschauer gab es an diesem Sonntag fast keine, weshalb man umsomehr von den Kids in Queens gerueht war, die jeden Vorbeikommenden frenetisch angefeuert (You can do it!) haben. Wir hatten ja von Enno schon gehoert, dass es ganz einmalig sei. Allerdings waren wir dann nach der Anmeldung dann schon etwas irriert, als mit unseren Startunterlagen auch noch eine Anleitung fuers Fahrradfahren selbst kann. Man glaubt es nicht, aber Strampeln auf dem Trimmrad scheint sich doch vom richtigen Fahren leicht zu unterscheiden! Aber diese Skepsis, gepaart mit einem ostfriesischen Ueberlegenheitsgefuehl rund ums Rad, verflog dann schnell als wir mit der Fahre von Staten Island, wo unser Hotel war, zum Start an der Suedspitze Manhattans fuhren. Zur guten Stimmung haben mit Sicherheit auch die vielen Freiwilligen beigetragen, die mit Witz und Bestimmtheit die Radfahrer an den Nadeloeren gelenkt und geleitet haben. Als wird dann nach 42 Meilen im Ziel waren wussten wir schon, was wir an diesen Tag gemacht haben. Und das war super. (Nun ist auch Schluss mit super. Versprochen!)


Eine Frage blieb aber ungeklaert! Wo war 46001? In Italien?

Murakami.

Wer bisher dachte, Japaner seien nicht schraeg, der wird nach dem Besuch dieser Ausstellung was anderes denken (falls er oder sie halt gerne nationale Stereotypen verwendet). Abgefahrene Formen, Phantasiegestalten, Manga-Figuren, psychodelische Tapeten und das alles in unglaublichen Farben. Dazwischen dann vom Kuenstler entworfene Louis Vuitton Taschen, die man auch kaufen kann! Aber am besten macht ihr Euch selbst mal ein Bild und zwar hier oder hier oder hier.
Richtig witzig war aber, dass neben sich dieser Figur einfach eine junge Mutter hinhockte, ihre Brust rausholte und ihre Kleine stillte. Die Waechterinnen waren genauso wie die anderen Gaeste so verwirrt und auch amuesiert, so dass fuer niemanden eine Malzeit unterbrochen wurde. Pop-art live. Die Frau war uebrigens keine Japanerin.

Visitors.(2)

Mit Michel hat uns zum ersten Mal jemand vom alten Kontinent besucht! Alte Heimat ist hier ja recht unpassend, da Michel ja momentan aus Italien kommt.
Auf jeden Fall sind wir gleich einen Tag nach seiner Ankunft in New York City mit dem noblen Cornell-Bus (drei Buiness-class Sitze pro Reihe, Kaffee umsonst, Satelliteninternet) ebenfalls in die City geduest, um ein supercooles Wochenende mit einem Moederprogramm zu absolvieren, an dem Enno auch am Samstag teilgenommen hat. Allerdings hilft der ganze Buskomfort nicht, wenn drei Spanier in der Reihe hinter einem die ganze Zeit quatschen! Aber nunja.
Ueber New York koennte man hier mal wieder ganze Seiten fuellen, was aus Gruenden der Lesbarkeit aber lieber unterbleibt. Also nur einige Hochlichter: Tribeca-Filmfestival, diversen Kneipen ohne Speerstunde, die schoenste Babie der Welt, Kampf mit wilden Tieren (und der Frustration, dass frau sich kein IPhone kaufen darf), Murakami-Ausstellung in Brooklyn (abgefahren, abgefahren), Konzert in Williamsburg, Guo-Quiang im Guggenheim-Museum. Somit war es auch kein Wunder, dass Michel wohl aus Sorge vor ueberbordener Langeweile in unserem gemuetlichen Ithaca mal gleich zufaellig eine gute Freundin aus Muensterzeiten getroffen hat, die zufaellig auch nach Ithaca fuhr, um ihren schwedischen Freund zu besuchen. (Das ganze hat Silvia und mir dann auch einen super Abend inklusive schwedischer Fischsuppe (die von Silvia auch tapfer ausgeloeffelt wurde) und zwei der drei Bus-Spanier (die sehr nett sind) eingebracht. Da sich Ithaca aber auch sonst wieder von der besten Seite praesentiert hat, hatten wir schon den Eindruck, dass wir ohne Sorge weiter alle ermuntern koennen, uns zu besuchen. Wir haben gerne Besuch! (Wer noch Zweifel hat, der kann sich ja auch direkt an Michel wenden.)

Mittwoch, 30. April 2008

Kein Sex mit Nazis.

Heute am 1. Mai versucht der braune Dreck durch Barmbek zu marschieren. Es gibt ja recht wenig, was wir hier in Ithaca tun koennen, aber es gilt hier, wie ueberall auch:




http://www.keine-stimme-den-nazis.org

Mittwoch, 23. April 2008

Bikes and Bikers.

Tja, nun haben wir auch Fahrraeder! Nach monatelanger Sattelabstinenz war es eine Wohltat, wieder unmotorisiert durch die Gegend zu rollen. Gekauft haben wir die Raeder in einen grossen Sportladen, da uns die kleinen Fahrlaeden durch ihre hochpreisigen Auslagen abgeschreckt haben. Erst spaeter haben wir gesehen, dass es dort auch preisguenstige Modelle gibt. Nunja, selber schuld. Im Laden selbst haben wir schnell gemerkt, dass Fahrraeder hier in erster Linie ein Sportgeraet sind und nicht etwa als normales Verkehrsmittel begriffen werden. Darum gibt es auch nur so sportliche Typen, wie oben zu sehen ist.
Als Kind hatte ich mir mal ein BMX-Fahrrad gewuenscht, was ich dann auch vom Weihnachtsmann bekommen hatte. Allerdings hatte der gute Herr meinem Wunsch nicht ganz entsprochen, denn das Rad hatte entgegen meiner Vorstellung Schutzbleche, Licht und einen Gepaecktraeger! Es war also verkehrsicher aber uncool. Mit dem Exemplar dort oben ist es genau umgekehrt und auch nicht recht, woran man erkennt, dass sich die Praeferenzen mit dem Alter doch verschieben koennen.
Praktischerweise haben wir uns auch gleich einen gebrauchten Radtraeger fuers Auto gekauft, so dass wir CO2-Ausstoss und Rumradeln locker miteinander verbinden koennen. Auch wenn dieses Land nicht gerade Fahrrad-vernarrt ist, so faehrt man hier doch sehr gut, denn die Strassen sind sehr breit und die Autofahrer irriert und erschrocken. Viele weichen sogar komplett auf die andere Spur aus, wenn sie einen ueberholen. Das nenne ich mal ein angemessenes Verhalten. Bilder von der ersten groesseren Tour koennt ihr hier sehen.

PS: Beim Kauf mussten wir insgesamt 15 Fragen ala multiple-choice ausfuellen, damit die Verkaeufer abgesichert sind. Auto kaufen und anmelden ging schneller.

Sonntag, 13. April 2008

Alle warten auf den Sommer.


In den ersten Wochen hier in Ithaca rief das hiesige, kalte Schneewetter mitunter melancholische Kindheitserinnerungen an angebliche Schneekatastrophen in Ostfriesland hervor und das war okay. Nun aber, nachdem wir nun einen ersten Vorgeschmack bekommen haben, was hier bei gutem Wetter alles moeglich ist, ist jede Schneeflocke unser Gegner! Diese haben sich zwar seit einiger Zeit auch kaum noch blicken lassen, aber sicher ist man nie. Wie uns andere Exilanten berichteten, fielen bei nahezu gleichen Bedingungen am 15. April letzten Jahres unvermittel 3 feet (ungefaehr 1 m, aeeh, glaub ich) Schnee, so dass der Winter wieder fuer 10 Tage zurueck war. Einer wusste sogar von seinem alten Professor zu berichten, der in den letzten 54 Jahren schon in jedem Monat (allerdings nicht im selben Jahr) bis auf den Juli Schnee gesehen hat. Aber soweit lassen wir es nicht kommen! Ab sofort wird jeder Teller leer gegessen, auch wenn in der Suppe die komplette Topfteflonbeschichtung schwimmt. (Wir haetten bei einem Topfpreis von $3 auch gleich skeptisch werden koennen!)

Sonntag, 30. März 2008

Preisfrage.

Ich will hier gar nicht soviele Worte verlieren. Nur so viel: Ich war alleine fuer die kommende Woche bei Wegmann's einkaufen. Neben anderen Dinge kaufte ich zwei Buendel Fruehlingszwiebeln, die ich in unterschiedliche Tueten packte (hatte das zweite Buendel erst vergessen). Hier muss man sein Gemuese selbst einpacken, abwiegen und mit einem Preisaufkleber versehen. Tja, unten seht ihr das zweite Buendel:









Und nun die Frage, was ist da wohl schief gelaufen?
Und welche Konsequenzen ziehe ich daraus:
a. keine Fruehlingszwiebel mehr (sind zu teuer).
b. Silvia einkaufen schicken
c. Kassenbon nach dem Passieren der Kasse kontrollieren.

Mehrfachnennungen sind moeglich. Dem Gewinner/Gewinnerin winkt ein Buendel Fruehlingszwiebeln.

Visitors!
















Nach unseren erbarmungslosen Long Island Besuchen hat sich Enno gleich zu einem Revanchebesuch am Osterwochenende entschlossen. Und wie Eltern, die nervoes das Verhalten ihrer Zoeglinge beaeugen, wenn die Erbtante zu Besuch ist, so blickten wird stets verhalten gen Himmel, denn natuerlich wollten wir, dass sich Ithaca von der besten Seite zeigt. Und wir (inklusive Enno) wurden nicht enttaeuscht! Bei Sonnenschein und guter Laune konnten wir alle
Programmpunkte voellig locker und spontan abarbeiten! Ski-fahren am Greek Peak, Wasserfall-anschauen, Thai-Essen essen, Cornell angucken und Kunsthalle besichtigen!

Und da Ostern war, konnten Enno und Silvia fachmaennisch mit deutscher Traditions-und Qualitaetsfarbe auch einige Eier faerben, dem Annette-Ostern-erste-Hilfe-Paket sei Dank. Tatsaechlich war es fuer Silvia das erste Mal, dass die Eier nicht fertig in den Nestern lagen. Tja, irgendwann muss halt jeder mal erwachsen werden.
Kurzum-wir hatten ein super Wochenende und wer mehr Fotos sehen moechte, der kann das auf Ennos blog tun.

PS: Das mit der Erbtante hat rein stilistische Gruende und nichts mit Ennos Verhalten oder Testament zu tun.

Montag, 17. März 2008

Cultural life.(3)

Am letzten Freitag sind wir hier auf dem Campus Zeugen eines sehr lustigen Ereignisses geworden. Am letzten Tag vor dem spring break, den kurzen Semesterferien, die die Pruefungswochen endgueltigen beenden, fand der sogenannte dragon day (Drachentag) statt. Waehrend in der Vergangenheit schonmal die Welt fast unterging, war diesmal alles sehr friedlich, froehlich und ausgelassen.

Jedes Jahr planen, designen und bauen die Architektur-Erstsemestler einen grossen, beweglichen Drachen, der in einer grossen Parade ueber den Campus bis zur grossen Hauptwiese wandert. Dies geschieht zu Ehren der graduates (Architektur-Absolventen), die in lustigen Verkleidungen vor dem Drachen tanzen und feiern. Auf der grossen Wiese schliesslich entledigen sich dann alle dieser Verkleidungen, sofern der sittliche Anstand nicht verletzt wird, und werfen sie auf den Drachen. Anschliessend drehen dann die Absolventen mit den Erstsemestlern ausgelassen unter dem Jubel der Zuschauer noch einige Runden, bevor der dann alles (ohne Absolventen und Erstsemestler) in Brand gesteckt wird. Ein grosses Osterfeuer mit Autoreifen sozusagen.
Von den Verkleidungen haben uns diese am besten gefallen:

Die komplette Fotoserie findet ihr hier. Und den Beweis, dass es hier nicht so pruede zu geht, wie man manchmal denkt, findet ihr in dieser Fotostrecke, in der ein geplatztes Kondom und einige Spermien die Eizelle jagen (als der Drache noch nicht da war).
Natuerlich waren sehr viele Frisch-Graduierte voll wie Eimer. Den water boy hatte ganz besonders getroffen. Seine Geschichte haben wir auch noch separat hier gespeichert.

Fazit: Es kann hier schon ganz lustig sein.

Montag, 10. März 2008

New York, New York!

Schliesslich haben wir es doch geschafft! Trotz aller laecherlichen Wetterbeeinflussungsmassnahmen von wem auch immer sind wir am vergangenen Freitag nach einer siebenstuendigen Fahrt im Dauerregen wohlbehalten auf Long Island angekommen. Die Stimmung war nur kurz getruebt als wir uns waehrend des eineinhalbstuendigen Staus vor der Washington Bridge von einem Verkehrsschild verhoehnen lassen mussten.
Aber als Enno dann den Tee einschenkte, spaetestens dann war endgueltig alles wieder gut.
In den folgenden zwei Tagen haben wir dann alle Sehenswuerdigkeiten anhand eines austarierten Zeitplan abgearbeitet, so dass jede Sekunde, die wir nicht verplaudert haben, optimal genutzt wurde. Die Auswahl der Sehenswuerdigkeiten erfolgte nach strengen demokratischen Spielregeln, wobei mir fast mit zweidrittel Mehrheit das Stimmrecht entzogen wurde. Schliesslich einigten wir uns auf IKEA, MoMA, Times Square, China Town, Long Island Ferry und Diwan.

Der Ikea-Besuch war in jeglicher Hinsicht ein Erfolg, den er erlaubte die Vervollstaendigung unserer Wohnungseinrichtung. Jetzt sieht fast alles genauso aus wie in Hamburg (aber nur fast).
Das MoMA war eindrucksvoll wie immer. Neben dem reinen Angucken&Staunen war dann sogar noch ein wenig Zeit fuer eigene Spontankunst.
Verblueffend war allerdings, dass gegen die allgegenwaertigen, dreisten Faelscher kaum vorgegangen wurde. Mehr Fotos findet ihr hier. Mein Lieblingsstueck ist uebrigens die Felltasse.
Am Times Square waren wir dann ein wenig enttaeuscht, denn es waren kaum noch Spuren von dem Bombenanschlag auf das Rekrutierungsbuero der Army zu sehen.* Dann haben wir uns halt selbst und anderes fotografiert.
Zur endgueltigen Reizueberflutung kam es dann in China Town. Wenn man bisher schon zu dem Schluss gekommen ist, dass Spanisch-Kenntnisse in New York durchaus hilfreich sind, dann ergaenzt man ohne Zoergern saemtliche chinesischen Dialekte nach dem China-Town Besuch. Bis jetzt sind die wichtigsten Infos noch zweisprachig, aber wer weiss wie lange noch?
Aufgrund der Razzien in den letzten Wochen gegen Produktpiraterie sind zwar einige Dinge nicht mehr so preisguenstig zu bekommen, aber die traditionellen Produkte sind ja auch recht reizvoll.
Die Fotos, aufgenommen auf der Faehre nach Long Island, die die beleuchtete Skyline zeigen, sind erheblich besser in unserem Gedaechnis eingespeichert als auf den Chips der Kameras und werden deshalb nicht gezeigt. Auch war die Freiheitsstatue kaum zu sehen, aber wir hatten unsere eigene ja auch immer dabei.
Nach dem schon fast traditionellem Abschlussessen beim Inder ("Diwan") in der Naehe von Grand Central Station ging es dann erst mit der Metro nach Queens, bevor uns Enno zurueck nach Long Island kutschierte. Gluecklicherweise war das Auto noch am gleichen Platz zu finden, von dem wir morgens gestartet waren.

Fazit: Uns besuchen kommen und es mit eigenen Augen sehen!

*Obwohl der Anschlag tief in der Nacht und mittels eines aeusserst schwachen Explosivkoerpers veruebt wurde und wohl mehr eine symbolische Bedeutung haben sollte, distanzieren wir uns von diesem aufs Schaerfste.

Mittwoch, 5. März 2008

Cultural life.(2)

Ithacas Kinos lassen sich in zwei Kategorien einteilen; entweder zeigen sie Army-Werbung oder nicht. Zur ersten Kategorie gehoert das Regal-Kino, welches in der Pyramid-Mall untergebracht und sicherlich in identischer Bauweise in tausend aehnlichen Malls zu finden ist. Wie es sich als gutes Multiplexkino gehoert, werden dort bevorzugt Teenie-Komoedien und Actionfilme gezeigt.
Da der neueste Rambo gerade abgesetzt wurde, haben wir stattdessen Vantage Point gesehen. Von der Idee und bezueglich der Action sicherlich nicht schlecht, aber dennoch recht klischeehaft und unausgegoren. Man hat nicht das Gefuehl, dass man das Eintrittsgeld nur verschwendet hat, aber lange bleibt der Film einem auch nicht in Erinnerung. Allerdings war es ganz witzig anzusehen, wie gerade die juengeren Zuschauer bei den pathetischen Schlussszenen (Mister President und der Leibwaechter liegen sich in den Armen) durch lautes Johlen und Buhen jedliches patriotisches Geruehrtsein im Kern erstinkten. Auch fiel auf, dass in diesem ausgewiesenen Actionfilm fiel mehr aeltere Leute waren als man es aus Deutschland kennt.
Den zweiten Regalfilm habe ich dann ganz alleine geschaut. No country for old men ist ein Flm, den man unbedingt gesehen haben muss. Zwar verschlaegt es einem ob der Brutalitaet manchmal den Atem, aber die Story, die Schauspieler und vorallem die Bilder sind einfach hervorragend. Allerdings sollte das Kino nicht so aussehen wie hier,

denn sonst hat man die ganze Zeit Angst, dass gleich ein Verrueckter mit einem Kopf-oder-Zahl spielen will oder gleich in Schaedel schiesst.
Im Programmkino in der Stadt haben wir noch Juno, There Will Be Blood und schliesslich Persepolis gesehen. Ersterer ist eine netter Teenie-Film, perfekt fuer regnerische Sonntagsnachmittage. Der zweite Film faengt einen mit seinen charismatischen Schauspielern und unglaublichen Bildern so ein, dass die 150 Minuten im Flug vergehen. Persepolis von Marjane Satrapi ist ganz wunderbarer Film ueber die Verwuerfnisse und Schwierigkeiten im oeffentlichen und privaten Leben derer, die sich Freiheit anders vorstellen als das Regime. Es gibt wenige Comicfilme, die die Moeglichkeiten dieses Genre so hervorragend einsetzen. Diesen Film sollte man sich auf jeden Fall ansehen.

PS: Vorsicht! Bei There Will Be Blood gibt es eine Doppelrolle, was ich aber nicht bemerkt habe. Hohn und Spott waren mir gewiss.

Montag, 3. März 2008

Leisure and activities.(2)

Allmaehlich kommen wir uns schon vor wie in der Truman Show. Immer wenn wir Ihaca mit dem Auto verlassen wollen (vorzugsweise Richtung New York City) hindert uns eine ploetzlich auftretende Schneekatastrophe daran. Wir haben zwar keine Ahnung, was das fuer eine Wetterbeeinflussungsmachine am BNL ist, aber offensichtlich darf auch Enno sie schon bedienen.
Aber die Schoenheit der hiesigen Umgebung erlaubt eigentlich keine Klagen!

Ithaca is gorges, wie man hier sagt! Und dieser hier ganz besonders! Er ist naemlich 10 feet hoeher als die Niagarafaelle, wenn auch nicht so breit. Wenn man aus einer Stadt mit dem groessten baumbestandenen Marktplatz Europas kommt, dann weiss man solche hidden records zu schatezen.
Aber nicht nur fliessendes Wasser laedt hier zum Verweilen ein:


Weitere Fotos von H2O in saemtlichen Aggregatzustaenden findet ihr hier.

Donnerstag, 28. Februar 2008

Bodycount.

Auch wenn wir keinen Fernseher haben, der uns stets die neusten Bilder aus dem Irak oder den staubigen Weiten Afghanistans liefert, so sehen wir jeden Tag, dass sich dieses Land im Krieg befindet. Allerdings sind es weniger Uniformierte, Militaerfahrzeuge oder Lebensmittelkarten, die einen daran erinnern, sondern die vielen, stets praesenten Antikriegsaufkleber-und schilder (Support our troops, end this war; PEACE NOW; war is not an answer etc) vor Haeusern, an Autos, Laternen und Jackenrevers. Dies scheint aber wohl eher eine Ithaca-typische (Mehrheits?-)Haltung zu sein und ist nicht unbedingt repraesentativ fuer die ganzen Staaten. Auch wenn man mit Leuten hier spricht, dann ist klar, dass dieser (Irak-)Krieg unmoralisch, leichtfertig, falsch, schlecht durchgefuehrt und/oder viel zu teuer war/ist. Die Popularitaet fuer Barack Obama begruendet sich uebrigens zum Teil auch auf seine klarere Haltung zum Krieg.
Dazu kann man jeden Tag in der New York Times lesen, wieviele amerikanische Soldaten (3966) bisher im Irak gestorben sind ebenso wie die Namen der Gefallenen vom Vortag.
Die USToday hat sich ein weniger naeher mit den Zahlen beschaeftigt und ist auf folgendes Ergebnis gekommen:
Sie haben mal ausgewertet, welche Grosstaedte denn bisher von gefallenen Einwohnern verschont geblieben sind. Dabei kam dann raus, dass Oakland (in Kalifornien) mit seinen fast 400000 Einwohnern diese "Hit"-liste anfuehrt. Dabei hatte Oakland waehrend des Vietnamkriegs fast 120 junge Maenner verloren! Zwar waren mit 58000 toten GIs die Verluste ungefaehr 15 mal hoeher, aber mit ein paar Leuten koennte man jetzt ja wohl rechnen! Der Artikel gibt aber auch eine Antwort, warum es diesmal anders ist. Den Autoren nach handelt es sich dabei nicht um einen statistischen Effekt sondern liegt darin begruendet, dass in wirtschaftlichen starken letzten Jahren immer weniger junge Leute aus den urbanen, properierenden Zentren zur Armee gegangen sind, da die Arbeits- und (Ueber)-Lebens bedingungen im zivilen Berufen deutlich besser sind. Die Mehrzahl der Soldaten rekrutiert sich halt immer noch aus den Schichten, die in den laendlichen Gebieten mit wenig Chancen auf Jobs, Bildung und Krankenversicherung leben.

Die Frage, ob es sich um Statistik oder um die Wirkung der neuen Polizeistuktur handelt, hat auch die New Times heute beschaeftigt. In Newark (liegt auf der anderen Seite des Hudson) ist tatsaechlich gerade die laengste Zeit ohne Mord (43 Wochen) seit vierzig Jahren eingestellt worden. Bisher wurden in diesem Jahr erst 3 Morde begangen, was somit eine Viertelung zum Vorjahreszeitraum darstellt. Man ist voller Hoffnung, dass der letztjaehrige Gesamtjahreswert von 112 Ermordeten nicht wieder ereicht wird. Insgesamt leben 300000 Menschen in Newark.
Dieses Land ist in einigen Teilen auch im Krieg mit sich selbst.

PS: Keiner der Toten im Irak (Kewin Mowl, Orlando Perez, Michael Phillips) oder in Newark (Andre Thomas) ist aelter als 23 geworden. Mit seinen 19 Jahren haette Michael Phillips nirgendswo (legal) ein Bier gekriegt.

Montag, 25. Februar 2008

Cops.

Das Fernsehen praegt. Kaum einen amerikanischen Berufstand glauben wir so gut zu kennen wie den des Polizisten. Und auch wenn Cops wie Dirty Harry, John McClane, Theo Kojak, Virgil Tibbs oder Frank Drebin sich doch stark in Charakter, Wirkungskreis, Anzahl der Disziplinarverfahren und Ermordung von Schuldigen und Unschuldigen unterscheiden, so ist ihnen doch eins gemeinsam: man tritt ihnen mit Furcht und/oder Respekt entgegen.
So laesst sich leicht erklaeren, dass ich Silvia durch ein brutales Zurueckziehen gerade daran gehindert habe, bei rot ueber eine Fussgaengerampel zu gehen. Bevor ich naemlich selbst die vermeintliche Ordnungswidrigkeit begehen konnte, registrierte ich im Augenwinkel einen Polizeiwagen. Der oeffnete dann auch gleich die Beifahrerfensterscheibe. Bevor ich wiederum klar machen konnte, dass ich nichts gemacht habe, sondern dass diese Frau hier das Leben amerikanischer Schulkinder gefaehrdet (wir waren vor einer Schule), erklaerte uns eine tiefe Stimme: " You are big people! You can go if no car is coming". (Ihr seid schon gross! Ihr koennt ruebergehen, wenn kein Auto kommt!) Ich muss sagen, dass der Tonfall mir nicht so gefiel!
Dass die Cops eigentlich ganz locker sind, haben wir schon gleich am Anfang erfahren. Da Silvia beim ersten Gespraech aus dem Buero mit der Heimat anstatt 9011 mal eben die 911 waehlte, kam dann auch gleich ein Mitglied der Universitaetspolizei vorbei! Nachdem er sich dann davon ueberzeugt hat, dass von mir keine Gefahr fuer Silvia ausgeht, hat er uns dann erzaehlt, dass dies ein typischer Anfaengerfehler von Auslaendern waere. Nochmal Glueck gehabt!

PS: 911 ist hier die Nummer gegen jeden Kummer, ob Feuer, Mord, Herzinfarkt oder ein gerissener Keilriemen.
PPS: Ich bin wahrscheinlich auch der erste, dem auffaellt, dass 911 statt nine-one-one auch wie nine-eleven ausgesprochen werden kann! Wenn das mal nichts zu bedeuten hat...