Sonntag, 27. Juli 2008

Grassroots rockt.


Nach langen Jahren war ich tatsaechlich mal wieder auf einem Festival. Seit 18 Jahren findet hier in Trumansburg das Grassrootsfestival statt, das wohl in dieser Form seines gleichen sucht. Hier kommen sie alle, die Familien, die Oekos, die Studenten, die Hippies, die Jungen und die Alten, die Weitgereisten und vorallem die ganz normalen Leute aus der Gegend, die sich freuen, dass mal was los ist. Drei Tage spielen ganz unterschiedliche Bands (Jazz und Country, Blues und Rock, Punk und Blasmusik, Funk und Folk) aus dem ganzen Land auf dem Gelaende einer Trabrennbahn, auf der auch mehrer Zeltdoerfer enstehen. Die Autos bleiben einige Meilen weit entfernt auf einem Feld, so dass nur die Shuttlebusse zum Gelaende fahren. In diesen Bussen knuepft man dann auch die ersten Kontakte. Der Typ neben mir z.B. arbeitete bei Cornell in der Kueche und kommt schon von Anfang an. Zuerst mit seiner Frau, nun mit seiner Ex-Frau, ihrem Ehemann und seiner Freundin plus einigen Kindern. Es hat zwar ne Weile gedauert, nun waeren sie alle eine "little happy family", meinte er. Ich war leider nicht mit meiner Frau da, die an dem Samstag leider erst aus Boulder zurueck kam, dafuer aber mit Adrienne und ihrem Freund Steve, Greg und Sebastian. Zuerst haben wir uns Blackfire angesehen, eine indianische Punk-Band, die ziemlich abrockte und immer wieder auf den Terrorismus zu sprechen kam, der ihren Leute seit fuenfhundert jahren zusetzt. Die Leute, die vor der Buehne Pogo tanzten, waren uebrigens zwischen 10 und 60. Danach ging es dann zu den Lee-Brothers, die im groessten Zelt die Masse mit super Funk zum Tanzen brachten. Da gab es fuer mich dann auch kein Halten mehr, wobei man noch bedenken muss, dass ich den ganzen Tag voellig nuechtern blieb, da ich ja abends noch zum Flughafen musste.
Also, wenn wir naechstes Jahr noch hier sind, dann campen wir auch auf dem Gelaende fuer die vollen drei Tage!

Donnerstag, 17. Juli 2008

Neighbourhood.


Gerade wenn man denkt, nun wird es sicher langweilig, denn: Buch ausgelesen, Silvia in Boulder, Besuch abgeflogen, nichts neues im Internet, in Blog geschrieben, werden alle schlaefrigen Gedanken durch einen lauten, dumpfen Knall vertrieben. Denn auf den Bully gegenueber ist ein recht grosser Ast gefallen. Gott sei Dank ist niemand verletzt worden. Auf dem grauen Schild, das vor wenigen Tagen angebracht wurde, wird uebrigens das baldige Faellen des Baumes angekuendigt. Tja, Gruende dafuer scheint es ja genug zu geben.

Screwing around.


Wer sich schon immer fragt, was ich hier eigentlich genau mache, dem kann ich fuer die letzten Wochen Rechenschaft ablegen. Ich habe naemlich einen Werkstattkurs gemacht, dessen erfolgreicher Abschluss mich zur 7/24(sieben Tage die Woche, 24 Stunden) Nutzung der Studentenwerkstatt berechtigt. Ich habe also fuenf Wochen lang mit jeweils fuenf Wochenstunden ein Einfuehrung ins Bohren (drilling), Fraesen (milling) und Drehen (turning, facing) und Gewindedrehen (thread cutting) bekommen. Dies hat ausserordentlich Spass gemacht. Als Abschlussarbeit musste wir dann mehrere Drehstaehle schleifen und aus einem Vollzylinder eine Schraube und Kronenmutter (bolt and nut) herstellen, wie man unter bewundern kann. Meine hat zwar zwei (winzig) kleine Macken, hat aber den abschliessenden Spinttest ohne Probleme ueberstanden. Insgesamt aehneln sich amerikanische und deutsche Werkstaetten doch sehr. Die Atmosphaere und der kollegiale Umgang miteinander sind in beiden vertreten und ausserdem findet man ueberall die obligatorischen Motorradposter, die in Deutschland allerdings gleich neben den leicht bekleideten Frauen haengen. Dieses geht hier natuerlich nicht. Dafuer darf jeder der Festangestellten aber eine Abbildung seiner Lieblingspistole aufhaengen. Na dann.
Wenn es mit der wissenschaftlichen Richtung nicht so richtig weiter geht, dann kann ich vielleicht irgendwo als Hilfsdreher anfangen. Auch nicht schlecht.

Visitors.(3)


Mit Gunnar war der erste richtige Besuch aus Deutschland zu Gast. Als frischgebackener Doktor hat er gleich nach seiner Konferenz in Boston einige Tage frei gemacht, um die Attraktionen des sagenumhafteten Ithacas zu besichtigen. Eigentlich war der Besuch ja schon frueher geplant, aber die Doktorarbeit bedurfte dann doch seiner ungeteilten Aufmerksamkeit. Leider konnte er auch nur alleine kommen, so dass Silvia aus Gruenden der Ungleichheit an einem workshop in Boulder teilnehmen musste. Alles schreit also nach einem Anschlusstreffen mit voller Besetzung! Somit muss man Gunnars Aufenthalt auch eher als eine Vorabbegutachtung betrachten. Und was macht man in solchen Faellen? Richtig, den Gutachter tagsueber mit Atem beraubenen kulturellen (Stichwort "Schottenspiele'), architektonischen (Cornell) und natuerlichen (Wasserfaelle, Wolkenbrueche) Schauspielen beeindrucken und abends dann mit reichlich tierischen Proteinen und Alkohol in einer Zustand der Glueckseligkeit versetzen. Hat gut funktioniert, glaube ich. Gunnar hat sich auch gleich super in Ithacas night life eingefuehrt, wie man in Felicia's Atomic Lounge sehen konnte. Waehrend Sebastian und ich ziemlich liegen gelassen wurde, war Gunnar bei einigen maennlichen Gaesten dann der Star. Er war aber auch ringlos.
Nach abschliessenden Diskussionen ueber den Zustand der Welt im Allgemeinen und einer grossen, deutschen (Viertel)Volkspartei im Besonderen wurde dann der Tag beendet. Das bekamen die Nacbarn dann auch mit, wenn Gunnar nochmal kurz seine Luftmatratze mit dem Geblaese auffuellte. Tja, das ist so, als wenn man sein frisiertes Mofa im Wohnzimmer testet.
Fazit: Schoen war's.

Mittwoch, 16. Juli 2008

Apfel- und Kirschbaeume (am See).


Nur weil wir schon laenger nicht mehr in den Blog geschrieben haben, muesst ihr nicht denken, dass hier nichts mehr los ist. Vor drei Wochen hatten wir mal wieder unsere Fahrraeder hinten ans Auto geschnallt und sind rund 80 Meilen in Richtung Norden (nein, nicht die Heimat) gefahren, bis es nicht mehr weiter ging. Da ist naemlich der Lake Ontario, der unsere Wahlheimat von Kanada trennt. Dort sind wir dann 40 Meilen durch Apfel- und Kirschplantagen geradelt, wobei einem oefter die reifen Fruechte ins Gesicht gefallen sind. Auch wenn wir nicht direkt am See fahren konnten, so hatten wir dennoch teilweise einen super Blick auf's Wasser, denn Hecken und Zaeune scheinen recht verpoennt zu sein (ausser beim Kernkraftwerk). Ausserdem war die Strecke zum Teil recht huegelig, was zwar zu einigen Unmut bei einem Teil der Crew fuehrte, aber auch noch fuer zusaetzliche Uebersicht sorgte. Schoen war's (am Ende auch wieder fuer alle).

Dienstag, 24. Juni 2008

Rocky Mountains.


Nachdem Silvia schon arbeitsmaessig nach Boulder in Colorado fliegen musste, bin ich dann gleich mal am Donnerstag hinterhergeduest, um dieses sagenumwogene Staedtchen mit eigenen Auge zu sehen. Und ich muss sagen, "Ja, es hat sich gelohnt!".
Boulder liegt ungefaehr eine Autostunde von Denver entfernt am Rande der Rocky Mountains. Und im Gegensatzt zu vielen anderen amerikanischen Staedten haben die Verantwortlichen dafuer gesorgt, dass ihre Stadt eine klassiche Stadt bleibt. So haben sie zum Beispiel durch gezielte Landkaeufe dafuer gesorgt, dass Boulder nicht zu sehr in die Breite geht und Denver schoen auf Abstand gehalten wird. Auch gibt es dort eine richtige Fussgaengerzone mit kleinen Geschaeften und Einfamilienhaeuser nahe des Zentrums. Sogar die Mall gegenueber von unserem Motel (Golden Buff mit B!) sieht nicht aus wie eine Mall und erinnert auch eher an eine Fussgaengerzone. Und die 320 Sonnentage im Jahr tragen auch erheblich zur Attraktivitaet bei.
Das Coolste ueberhaupt sind aber die Berge. Wir sind am Freitag morgen mit unserem SUV (Avis hatte nicht anderes) in den National Park geduest, haben $20 Dollar abgedrueckt und sind dann mit dem Shuttle-Bus vom Parkplatz aus zum See mit dem verheissungsvollen Namen "Bierstadt" (deutsche Schreibweise!) gefahren. Von dort aus ging es dann immer rauf, so dass wir bei waermsten Sommerwetter mitten im Schnee standen. Wir waren schliesslich auch auf ueber 3000m und entsprechen groggy, denn die Luft war schon recht duenn. Auf ueber 3700m haben wir es dann mit unserem Auto auf der einzigen Strasse durch den Park gebracht. Dabei haben wir auch die ganzen Viecher gesehen, was echt schoen war. Wie man sehen kann, haben sich die Elche und ihre Verwandten auch ihre Wuerde bewahrt, ganz im Gegensatz zu den Eichhoernchen, die sich trotz aller Verbote an den Rastplaetzen hemmungslos mit Snickers und Cola haben vollstopfen lassen. Unmoeglich!
Am Samstag waren wir dann nochmal in einem abgelegeneren Gebiet unterwegs, wobei einer der Ranger (80jaehriger Rentner in kurzen Hosen) mich fast mit seiner Bemerkung ("Passt mal einwenig auf die Baerenfamilie auf, die hier gerade rumstreunert.") zum Umkehren gebracht hat. Aber da Baeren eigentlich auch Schisser sind, haetten sie wahrscheinlich auch eher Silvia gefressen. Mit dieser beruhigenden Ueberlegung konnte ich dann meinen Weg weiter fortsetzen.
Als letztes bleibt noch zu berichten, dass wir am Sonntag vor dem Abflug noch bei Silvias Chefin zum gemuetlichen Grillen im Garten eingeladen waren. Und das war auch gut.

Samstag, 14. Juni 2008

Niagara falls.


Lange konnten wir das einzigartige Naturschauspiel ganz in unserer Nachbarschaft, es sind nicht mal 175 Meilen, nicht laenger ignorieren und so haben wir uns am letzten Wochenende zusammen mit Enno auf den Weg gemacht. Enno war am Freitag abend zu uns ins beschauliche Ithaca gekommen, so dass wir am Samstag morgen in aller Herrgottsfruehe los rollen konnten. Es war sogar moeglich, die 20 Meter von der Haustuer zum Wagen zu ueberwinden, ohne die Klamtotten voellig durch zu schwitzen. Es war allerdings auch sieben Uhr morgens und hier ist nun wirklich nicht der Ort, um ueber die schreckliche Hitze, die uns hier heimsucht, zu klagen.
Allen Ratschlaegen von kanadischen Kollegen, Reisefuehrern und Schon-da-Gewesenden folgend, sind wir dann auch durch Buffalo durch geduest und haben auf die kanadische Seite ruebergemacht. Da strahlten uns dann gleich die Verkehrsschilder mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen in kmh entgegen, die wir geflissentlich ignorierten.
Auf dem riesigen Parkplatz begann dann auch gleich unser komplettes Tagestouristenprogramm. Schnell den Tagespass (mit Brustbeutel!) am Parkplatzhaeuschen gekauft, dann in den People-Mover (so nennen die dn Bus) gesprungen und einen super Tag verlebt.
Man kann nicht gerade behaupten, dass einen ein urspruengliches Naturereignis erwartet (mit den Kasinos und grossen Hotels an der Hauptstrasse, die an den Faellen vorbei fuehrt), aber obwohl es ein Massentourismusziel ist, ist es trotzdem recht charmant; wenn man sich drauf einlaesst. Und das haben wir! Bewaffnet mit mehreren Kamaras und unseren Brutbeuteln haben wir jede Station, deren Eintritt uns durch den Tagespass (mit Brustbeutel!) gestattet war, mitgenommen. Also erstmal die Faelle von der Seite angeschaut, dann das kleine Boot bestiegen, das todesmutig in die Faelle faehrt, die Stromschellen angeschaut, das Schmetterlingsmuseum besichtigt und schliesslich einen langen Tunnel durchschritten, der uns hinter die Faelle fuehrte. Und da man immer, wenn man ans Wasser runter wollte, den Fahrstuhl benutzen musste, war Silvas Adrenalinspiegel jenseits aller Grenzwerte. Das aenderte sich erst, als wir typisch amerikanisch ein abschliessendes Picknick auf einer Gruenflaeche am Parkplatz machten. Wer das schon etwas seltsam findet, dem sei gesagt, dass Enno am liebsten gleich neben dem Auto sitzen geblieben waere. Ja, Nordamerika praegt! Fast 175 Meilen spaeter waren wir dann wieder zu hause. Wie schon beschrieben, es war ein super Tagesausflug. Und die Kanadier? Die sind echt nett!
Die komplimentaere Tagesbeschreibung gibt es uebrigens hier.

Dienstag, 27. Mai 2008

Tea and more.


Wenn man mit sovielen neuen Eindruecken in der Fremde klarkommen muss, dann hilft es, das Neue auf das Bekannte zu projizieren. Wenn man dann New York mit Hamburg in Verbindung bringt, dann ist Boston Hannover und Ithaca Hage. Aber da die erste Annahme so recht verwegen ist, hinkt natuerlich alles weitere auch. (Ausserdem sind Boston und Ithaca schoen!)
Warum eigentlich Boston? Wir waren in Boston! Nach zwei Wochenenden im beschaulichen Ithaca war uns doch mal wieder nach einer Grossstadt und wir wurden nicht enttaeuscht. Boston ist wirklich super! Obwohl die Stadt am Memorial-weekend (einen Mischung aus Volkstrauer-und Heldengedenktag) schon recht voll war, konnte man es dort sehr gut aushalten und man war auch nicht so erschlagen wie von Hamburg, aeeh New York.
Am Samstag haben wir nach der laecherlichen Autofahrt von nur sieben Stunden den freedom-trail beschritten, d.h. wir sind der roten Linie in der Pflasterung gefolgt, die uns quer durch Bostons Innenstadt an allen wichtigen Stationen des heldenhaften amerikansichen Freiheitskampfes vorbeigefuehrt hat. Nach dieser Wanderung von sechs Stunden hatten wir platte Fuesse und viel gesehen. Tatsaechlich erscheint einem Boston recht europaeisch, was wohl besonders an der U-Bahn, der Fussgaegerzone, den "alten" Haeuser, den Fahrradfahrern und den Aschenbechern auf den Draussentischen liegt. Auch erschien uns alles recht echt, dh. im Italienerviertel wohnen richtige Italiener, die allerings auch keinen Caffee mehr machen koennen, und die jungen Viertel waren wirklich jung und nicht Yuppie-haft. Neben dem Eingang zur Harward-Uni hat sich uebrigens eine recht grosse Punkkolonie niedergelassen. Sehr lustig.
Eine sehr nettes Erlebnis hatten wir noch in der U-Bahn, als wir, oder eher Silvia, von einem Bostoner gefragt wurde, woher sie denn kaeme. (Der Reisefuehrer hatte sie verraten.) Dabei stellte sich dan heraus, dass der junge Mann auch schon dreimal in Hamburg war! Nachdem sie ihn dann noch kurz mit der Info "Wir sind nur uebers Wochenende hier!" verwirrt hatte, bestand er darauf, dass wir heute abend im Redbones BQQ essen sollten, schliesslich sei dieses Wochenende das traditionelle amerikanische Grill-Wochenende. (Welches ist es aber nicht?) Und da man in einer fremden Stadt fuer jeden Tipp dankbar und die richtige Restaurantwahl eine komplizierte Sache ist, sind wir der Empfehlung auch gleich nachgekommen. Dass es sich gelohnt hat, kann man an den Fotos in der Dia-show ja wohl sehen. Sehr nette Leute, die Bostoner (wie die Hannoveraner und Hager).

PS: Allerdings sollte man bei der Hotelwahl darauf achten, dass man nicht unter dem gleichen Dach naechtigt wie zahlreiche jugendliche Lacrosse-Mannschaften. Anfangs ist man ja noch voller Verstaendniss fuer die Hormon- und Alkohol-gesteuerten, aber wenn dann um 3:30 am immer noch keine Ruhe herrscht, dann ist man schon froh, wenn ein starker Mann (Hotel-Security) fuer die selbige sorgt. (Auch wenn er auch kurz laut war. "Open the f***ing door".) Dann war Schluss.

Montag, 5. Mai 2008

Mit rad up pad.



Ja, wir haben es auch gemacht! Die legendaere 5-Boro (also Stadtteile) bike tour und die war einfach super! Zusammen mit vierzigtausend anderen Fahrradfahrern sind wird durch Manhattan, die Bronx, Queens, Brooklyn und schliesslich Staten Island gefahren. Man koennte auch sagen, dass wir durch die ganze Welt gefahren sind, obwohl wir die Stadt zu keinem Zeitpunkt verlassen haben. Das Coole war, dass man die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive gesehen hat und in Ecken war, in die man sonst nie gekommen waere. Die Atmosphaere war wirklich super, den alle Leute waren total entspannt und nett. Ausserdem war es ja auch kein Rennen sondern eine Tour, wie einem sicherlich zehntausend Mal gesagt wurde. Zuschauer gab es an diesem Sonntag fast keine, weshalb man umsomehr von den Kids in Queens gerueht war, die jeden Vorbeikommenden frenetisch angefeuert (You can do it!) haben. Wir hatten ja von Enno schon gehoert, dass es ganz einmalig sei. Allerdings waren wir dann nach der Anmeldung dann schon etwas irriert, als mit unseren Startunterlagen auch noch eine Anleitung fuers Fahrradfahren selbst kann. Man glaubt es nicht, aber Strampeln auf dem Trimmrad scheint sich doch vom richtigen Fahren leicht zu unterscheiden! Aber diese Skepsis, gepaart mit einem ostfriesischen Ueberlegenheitsgefuehl rund ums Rad, verflog dann schnell als wir mit der Fahre von Staten Island, wo unser Hotel war, zum Start an der Suedspitze Manhattans fuhren. Zur guten Stimmung haben mit Sicherheit auch die vielen Freiwilligen beigetragen, die mit Witz und Bestimmtheit die Radfahrer an den Nadeloeren gelenkt und geleitet haben. Als wird dann nach 42 Meilen im Ziel waren wussten wir schon, was wir an diesen Tag gemacht haben. Und das war super. (Nun ist auch Schluss mit super. Versprochen!)


Eine Frage blieb aber ungeklaert! Wo war 46001? In Italien?

Murakami.

Wer bisher dachte, Japaner seien nicht schraeg, der wird nach dem Besuch dieser Ausstellung was anderes denken (falls er oder sie halt gerne nationale Stereotypen verwendet). Abgefahrene Formen, Phantasiegestalten, Manga-Figuren, psychodelische Tapeten und das alles in unglaublichen Farben. Dazwischen dann vom Kuenstler entworfene Louis Vuitton Taschen, die man auch kaufen kann! Aber am besten macht ihr Euch selbst mal ein Bild und zwar hier oder hier oder hier.
Richtig witzig war aber, dass neben sich dieser Figur einfach eine junge Mutter hinhockte, ihre Brust rausholte und ihre Kleine stillte. Die Waechterinnen waren genauso wie die anderen Gaeste so verwirrt und auch amuesiert, so dass fuer niemanden eine Malzeit unterbrochen wurde. Pop-art live. Die Frau war uebrigens keine Japanerin.

Visitors.(2)

Mit Michel hat uns zum ersten Mal jemand vom alten Kontinent besucht! Alte Heimat ist hier ja recht unpassend, da Michel ja momentan aus Italien kommt.
Auf jeden Fall sind wir gleich einen Tag nach seiner Ankunft in New York City mit dem noblen Cornell-Bus (drei Buiness-class Sitze pro Reihe, Kaffee umsonst, Satelliteninternet) ebenfalls in die City geduest, um ein supercooles Wochenende mit einem Moederprogramm zu absolvieren, an dem Enno auch am Samstag teilgenommen hat. Allerdings hilft der ganze Buskomfort nicht, wenn drei Spanier in der Reihe hinter einem die ganze Zeit quatschen! Aber nunja.
Ueber New York koennte man hier mal wieder ganze Seiten fuellen, was aus Gruenden der Lesbarkeit aber lieber unterbleibt. Also nur einige Hochlichter: Tribeca-Filmfestival, diversen Kneipen ohne Speerstunde, die schoenste Babie der Welt, Kampf mit wilden Tieren (und der Frustration, dass frau sich kein IPhone kaufen darf), Murakami-Ausstellung in Brooklyn (abgefahren, abgefahren), Konzert in Williamsburg, Guo-Quiang im Guggenheim-Museum. Somit war es auch kein Wunder, dass Michel wohl aus Sorge vor ueberbordener Langeweile in unserem gemuetlichen Ithaca mal gleich zufaellig eine gute Freundin aus Muensterzeiten getroffen hat, die zufaellig auch nach Ithaca fuhr, um ihren schwedischen Freund zu besuchen. (Das ganze hat Silvia und mir dann auch einen super Abend inklusive schwedischer Fischsuppe (die von Silvia auch tapfer ausgeloeffelt wurde) und zwei der drei Bus-Spanier (die sehr nett sind) eingebracht. Da sich Ithaca aber auch sonst wieder von der besten Seite praesentiert hat, hatten wir schon den Eindruck, dass wir ohne Sorge weiter alle ermuntern koennen, uns zu besuchen. Wir haben gerne Besuch! (Wer noch Zweifel hat, der kann sich ja auch direkt an Michel wenden.)

Mittwoch, 30. April 2008

Kein Sex mit Nazis.

Heute am 1. Mai versucht der braune Dreck durch Barmbek zu marschieren. Es gibt ja recht wenig, was wir hier in Ithaca tun koennen, aber es gilt hier, wie ueberall auch:




http://www.keine-stimme-den-nazis.org

Mittwoch, 23. April 2008

Bikes and Bikers.

Tja, nun haben wir auch Fahrraeder! Nach monatelanger Sattelabstinenz war es eine Wohltat, wieder unmotorisiert durch die Gegend zu rollen. Gekauft haben wir die Raeder in einen grossen Sportladen, da uns die kleinen Fahrlaeden durch ihre hochpreisigen Auslagen abgeschreckt haben. Erst spaeter haben wir gesehen, dass es dort auch preisguenstige Modelle gibt. Nunja, selber schuld. Im Laden selbst haben wir schnell gemerkt, dass Fahrraeder hier in erster Linie ein Sportgeraet sind und nicht etwa als normales Verkehrsmittel begriffen werden. Darum gibt es auch nur so sportliche Typen, wie oben zu sehen ist.
Als Kind hatte ich mir mal ein BMX-Fahrrad gewuenscht, was ich dann auch vom Weihnachtsmann bekommen hatte. Allerdings hatte der gute Herr meinem Wunsch nicht ganz entsprochen, denn das Rad hatte entgegen meiner Vorstellung Schutzbleche, Licht und einen Gepaecktraeger! Es war also verkehrsicher aber uncool. Mit dem Exemplar dort oben ist es genau umgekehrt und auch nicht recht, woran man erkennt, dass sich die Praeferenzen mit dem Alter doch verschieben koennen.
Praktischerweise haben wir uns auch gleich einen gebrauchten Radtraeger fuers Auto gekauft, so dass wir CO2-Ausstoss und Rumradeln locker miteinander verbinden koennen. Auch wenn dieses Land nicht gerade Fahrrad-vernarrt ist, so faehrt man hier doch sehr gut, denn die Strassen sind sehr breit und die Autofahrer irriert und erschrocken. Viele weichen sogar komplett auf die andere Spur aus, wenn sie einen ueberholen. Das nenne ich mal ein angemessenes Verhalten. Bilder von der ersten groesseren Tour koennt ihr hier sehen.

PS: Beim Kauf mussten wir insgesamt 15 Fragen ala multiple-choice ausfuellen, damit die Verkaeufer abgesichert sind. Auto kaufen und anmelden ging schneller.

Sonntag, 13. April 2008

Alle warten auf den Sommer.


In den ersten Wochen hier in Ithaca rief das hiesige, kalte Schneewetter mitunter melancholische Kindheitserinnerungen an angebliche Schneekatastrophen in Ostfriesland hervor und das war okay. Nun aber, nachdem wir nun einen ersten Vorgeschmack bekommen haben, was hier bei gutem Wetter alles moeglich ist, ist jede Schneeflocke unser Gegner! Diese haben sich zwar seit einiger Zeit auch kaum noch blicken lassen, aber sicher ist man nie. Wie uns andere Exilanten berichteten, fielen bei nahezu gleichen Bedingungen am 15. April letzten Jahres unvermittel 3 feet (ungefaehr 1 m, aeeh, glaub ich) Schnee, so dass der Winter wieder fuer 10 Tage zurueck war. Einer wusste sogar von seinem alten Professor zu berichten, der in den letzten 54 Jahren schon in jedem Monat (allerdings nicht im selben Jahr) bis auf den Juli Schnee gesehen hat. Aber soweit lassen wir es nicht kommen! Ab sofort wird jeder Teller leer gegessen, auch wenn in der Suppe die komplette Topfteflonbeschichtung schwimmt. (Wir haetten bei einem Topfpreis von $3 auch gleich skeptisch werden koennen!)

Sonntag, 30. März 2008

Preisfrage.

Ich will hier gar nicht soviele Worte verlieren. Nur so viel: Ich war alleine fuer die kommende Woche bei Wegmann's einkaufen. Neben anderen Dinge kaufte ich zwei Buendel Fruehlingszwiebeln, die ich in unterschiedliche Tueten packte (hatte das zweite Buendel erst vergessen). Hier muss man sein Gemuese selbst einpacken, abwiegen und mit einem Preisaufkleber versehen. Tja, unten seht ihr das zweite Buendel:









Und nun die Frage, was ist da wohl schief gelaufen?
Und welche Konsequenzen ziehe ich daraus:
a. keine Fruehlingszwiebel mehr (sind zu teuer).
b. Silvia einkaufen schicken
c. Kassenbon nach dem Passieren der Kasse kontrollieren.

Mehrfachnennungen sind moeglich. Dem Gewinner/Gewinnerin winkt ein Buendel Fruehlingszwiebeln.